ARTIST STATEMENT     eigene Gedanken
April 2017

Als Malerin beschäftigt mich besonders die Fläche und deren Illusiion von Körperlichkeit, die Übergänge zwischen dem illusionistischen Raum des Bildes und dem natürlichen Raum mit dessen Tageslicht.
 
Kanten und entstehende Linien untersuche ich seit mehreren Jahren verstärkt auf der Fläche von weißen, unbehandelten Papierbahnen. Dabei fahre ich Körperlichkeit mit dem Cutter nach oder öffne das Papier mit Rissen. Das Papier verändert seine Fläche, biegt sich an den Schnittstellen, rollt sich ein, fällt partiell und ein weiterer Raum zwischen den Papierbahnen wird sichtbar.
Die Veränderung der Fläche durch die Linien, die ich nicht zeichne, doch deren Zeichnung ich in Form von Schnitten erfahre, halte ich seit einiger Zeit fotografisch fest. Hierbei bewege ich mich entlang der Bahn, so dass unterschiedliche Blickwinkel auf den Bildraum festgehalten werden. Das natürliche Licht schält sich in den Bildraum, wird von den Ebenen der Papierskulptur reflektiert und ein der Arbeit innewohnendes Licht wird sichtbar und erfahrbar.
In den letzten Arbeiten und durch die Annäherung mit der Fotografie intensivierte sich mein Anliegen darauf, wie stark eine Linie, die als Schnitt funktioniert, eine Fläche ins Körperliche wandeln kann. Da das Papier nicht starr und fest ist, sondern sich mit der Öffnung und der Zeichnung des Risses in sich bewegt, erscheinen ganz andere Bewegungen als die, die der Riss oder der Schnitt vorgeben. Diese Schnittstelle zwischen Fläche und Körperlichkeit von Oberflächen untersuche ich nicht nur in Papieren, sondern auch im Material der Ölfarbe wie auch seit einigen Jahren verstärkt durch Tusche auf unterschiedlichen Trägern (Baumwolle, Aquarellpapiere, China- und Japanpapiere).

Ich sehe den Boden, die Wände, die Decke, das Glas der Fenster, das Holz der Türkante, die Blätter, deren Bewegung durch den Wind Schatten an der Hauswand beschreibt, die sich bewegenden Menschen, deren Abstände, die Zwischenräume freilassen und Durchblicke zu Pflastersteinen, Bänken, Bäumen und anderen Menschen ermöglichen. In den Übergängen zwischen vom Menschen Gemachtem und der Natur entsteht Poesie und poetische flüchtige Momente. Sie entstehen in kurzer Dauer und lösen sich auf.
Als Analogien schaffe ich Flächen, die sich berühren, überlagern oder deren positiv-negativ Formen Leere definieren. Sie sind gerissen, fest und starr, weich und auflösend. Deren Gegensätze oder Ähnlichkeiten beschreiben das Wirken von Kräften oder Korrespondenzen im natürlichen Raum. Im künstlichen Raum des Bildes suche ich Möglichkeiten, Schnittstellen und Übergänge zum realen Raum zu schaffen. Dessen Gefüge wird durch das Bild verändert.
Die Titel meiner Arbeiten orientieren sich an realen Gegebenheiten, um dem Betrachter die Möglichkeit einer Erinnerung oder eines narrativen Momentes zu geben, u.a. "Ihre Schritte begleiten den Asphalt der Straße", "Die Wagentür schiebt sich nach links", "Schnellen Schrittes verändert sich der Abstand zwischen ihr und der alten Frau", "Masse, Risse, Staub", "Beim Zuhören neige ich mich zu dir hin" …