Mein künstlerischer Ansatz beinhaltet die Fragestellung nach dem Raum, der sich im Bild manifestiert. Diesen wünsche ich zu öffnen, aufzulösen und dadurch neu zu definieren.
Als Analogien schaffe ich Flächen, die sich berühren, überlagern und in denen ein Übergang zum Körperlichen sichtbar wird. Sie sind gerissen, fest und starr, weich oder auflösend.
Im künstlichen Raum des Bildes untersuche ich die Wirkung des Bildraumes in Bezug zum realen Raum. Mein Anliegen ist ein sinnliches, fühlbares Erfahren von Bildraum.


Auseinandersetzung mit dem „Riss“
Seit Ende meines Studiums widme ich mich dem „Schnitt“ oder „Riss“. Der Riss oder Schnitt stellt für mich
eine Linie dar, die die Möglichkeit einer Erweiterung, Ausdehnung oder eines Inne-Haltens einbezieht.
Mich faszinieren die Übergänge, wenn eine Linie eine Fläche begrenzt und sich in diese hinein entfaltet: sei es durch eine klare Linienführung, sei es durch eine aufgelöste, fransige, gerissene Linie. Die illusionistisch räumliche Erfahrung ist jeweils eine andere.
Die visuelle Erfahrung der großflächigen Papierinstallationen, deren Oberflächen, Präsens im Raum, ist eine andere als in der Malerei. Ich berühre das Papier direkt, indem ich reiße - indirekt, indem ich einen Schnitt in die Fläche produziere. Die Körperlichkeit des Papiers, die dadurch entsteht, ist eine andere als die auf der Fläche einer Malerei.

Temporäre Papierinstallation
Hängende oder stehende Papierbahnen installiere ich temporär in Räumen. Mit Cutter schneide oder reiße ich Linien, beobachte deren Öffnen und Fallen, deren Spannung zueinander. Die Flächen biegen sich vom zweidimensionalen Bildträger ins dreidimensional Räumliche und Körperliche des Papiers. Die Fläche wird zu einer Skulptur. Das Licht in den Arbeiten ist nicht greifbar, sondern fühlbar und entzieht sich einer direkten Bestimmtheit. Das natürliche, sich verändernde Tageslicht öffnet, ähnlich einer "malerischen Sonnenuhr“, die dem Bild innewohnende Räumlichkeit.

Malerei
In der Malerei schiebe und forme ich das Material der Farbe, um ein Gesamtlicht zu erhalten, das das Bild trägt.
2016 begann ich, zwischen den Farbauftrag und der Leinwand Chinapapiere zu legen, durch die die Farbe der Tusche trocknet. Nach Trocknung der dünnen Chinapapiere nehme ich diese ab und erhalte einen Abdruck der Malerei. Der Prozess der Trocknung wird sichtbar, das Zusammenziehen der dünnen Chinapapiere auf der Leinwand hinterlässt Spuren von Linien. Was mich besonders fasziniert, ist, dass ich nicht unmittelbar auf der Leinwand male, sondern dass Papier dazwischen liegt. So entstehen Farbräume, denen das Unmittelbare des Pinselduktus fehlt, die jedoch etwas Ephemeres aufweisen, etwas Flüchtiges, sich Entziehendes.

Bildtitel benennen in lyrischer Weise Momente der Erinnerung, z.B. "Der Morgen schält den Asphalt", "Ihre Schritte begleiten den Asphalt der Straße", "Schnellen Schrittes verändert sich der Abstand zwischen ihr und der alten Frau", "Masse, Risse, Staub", "Beim Zuhören neige ich mich zu dir hin" ... Sie orientieren sich an realen Gegebenheiten und thematisieren meist etwas, was in Bewegung zu sein scheint oder dessen Innehalten.

Mein Anliegen ist, dass der Betrachter die Arbeit durch seine Bewegung und seinen inneren Blick erfasst, sodass eine gefühlte Annäherung an das Bild stattfindet. Rohes, Fragmentiertes, die Schönheit von unschönen Farben entsprechen meiner Wahrnehmung der Welt, derer ich mich nur durch einen Versuch nähern kann, die sich gleichzeitig einer vollendeten Definition entzieht.